100 Jahre Rotary

Bericht zur Centennialfeier am 23.02.2005 in der Stadthalle Haßfurt

Die Kraft der Freundschaft für das Gute einsetzen

Zum 100. Geburtstag hatte der Rotary Club Haßfurt geladen. Es wurde eine Veranstaltung, in der Freundschaft, Kultur und soziales Engagement sich miteinander verbanden. Der Reinerlös der Veranstaltung fließt in den Wiederaufbau eines Babyhospitals in Sri Lanka.

Chicago 1905: Paul Harris, ein junger Anwalt, trifft sich mit drei Gleichgesinnten. Man ist enttäuscht von den Geschäftspraktiken in der Stadt und will der Ungerechtigkeit, dem Wucher  entgegenwirken. In rundum wiederkehrenden Treffen, daher der Name Rotary, entsteht die Vereinigung von toleranten Berufstätigen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und Fairness sowie guten Willen im Wirtschaftsleben auch zum Nutzen von Ärmeren einbringen wollen. In Clubs organisiert, die miteinander verbunden sind und jährlich ihre Führung neu wählen, entsteht ein internationales Geflecht. Haßfurt 2001: 20 Frauen und Männer gründen den Rotary Club Haßfurt. Erster Präsident wird Georg Schubert aus Zeil, ihm folgen im jährlichen Turnus Manfred Just aus Hofheim, Elmar Hohmann aus Haßfurt und als erste Frau, Eva Göller aus Zeil.

Frauen dürfen erst seit 1988 Mitglied bei den Rotariern werden. Doch sie setzten sich schnell durch. Heute sind es mehr als 2000 Damen, die als Clubpräsidentinnen amtieren und höhere Aufgaben in der Organisation übernahmen. Typisches Beispiel die 100-jährige Geburtstagsfeier am Mittwoch in der Haßfurter Stadthalle. Frauenpower pur: Die Spitze des Haßfurter Clubs – eine Frau. Eva Göller aus Zeil führte gekonnt und vor allem charmant durch den Abend. Ihr Erkennungszeichen, das Head-Set, das sie in die Lage versetzte, aus allen Positionen des Saales zu dirigieren, Kommentare zu geben und Gäste zu begrüßen. Und die Reihe der „Nicht-Rotarier“, die aus der Öffentlichkeit, dem Wirtschaftsleben, den sozialen Institutionen, aus Schule und Bildung kamen, war ellenlang. Gekommen waren auch Freunde vom Lions Club, der in den Haßbergen eine ältere Tradition hat als der Rotary Club aufweist. Dass es die beiden Clubs gut miteinander können, zeigte die kurze Ansprache von Hans-Joachim Brandt, dem Vertreter des Lions-Governors. Zusammen wollen Rotarier und Lions noch in diesem Jahr ein gemeinsames Projekt starten. Eine gute Idee, soziale Kraft zu ballen. Doch an diesem Tag galt die Aufmerksamkeit den Rotariern. „Celebrate Rotary“ wird es wohl in diesem Jahr in 166 Ländern heißen und bei allen Feiern werden die Farben Königsblau und Gelb, sowie das Zahnrad, das für Bewegung und Fortschritt steht, als „roter Faden“ die Dekoration in den Festsälen beherrschen. Bei der Kennzeichnung der 14 runden Tische, an denen circa 120 Gäste Platz nahmen, hatte sich der Club etwas ganz besonderes einfallen lassen. Jeder Städtename hatte eine Beziehung zu den Aktivitäten der Rotarier. Chicago als Gründungsort durfte natürlich genauso wenig fehlen wie Haßfurt. Bamberg stand für den Mutterclub RC Bamberg-Domreiter, dessen Mitglieder vor vier Jahren halfen, den Club in den Haßbergen aus der Taufe zu heben. Dessau stand für spontane Hilfe. 2003 bei der großen Flutwelle halfen die Mitglieder mit Taten. Der damalige Präsident Manfred Just brachte über Nacht nicht nur Finanzhilfe, sondern auch Sachspenden an die Oder. Puebla war die Heimatstadt der mexikanischen Gastschülerin Pamela Landero, die ein Jahr in den Haßbergen weilte. An diesem Tisch saß übrigens Carolin Sieber aus Hofheim, die im Gegenzug als erste Austauschschülerin vom Rotary Club Haßfurt auf die Reise nach Mexiko geschickt wurde und zu später Stunde über ihr mexikanisches Jahr berichtete. Auch der Tisch Bombay hatte mit einem Projekt zu tun.

Jochen Zeltner aus Haßfurt war erst vor kurzem im Rahmen eines „Outgoing-Projektes“ in der indischen Metropole und berichtete ebenfalls. Wo liegt Bulawayo? - In Zimbawe. Der Rotary Club Haßfurt ist Partner für das internationale Projekt „Fahrräder für Bulawayo.“ Julian Schrenk berichtete über die Fahrradmontage, die als Hilfe zur Selbst-Hilfe in diesem Jahr in dem afrikanischen Staat aufgebaut wird. Nicht nur Finanz- und Sachspenden gibt es für dieses Projekt, Rotariermitglieder bringen sich persönlich ein. So war Julian Schrenk bereits vor Ort und Horst Rahn wird Ende April nach Bulawayo gehen, um den Montage-Aufbau zu organisieren. Baku in Aserbaidschan hieß der Tisch gleich vor der Bühne. Er war dem Highlight des Abends gewidmet.

Mit Jamila Musayewa war wohl das größte europäische Talent im Violinenspiel nach Haßfurt gekommen. Die Siebzehnjährige, die seit einem halben Jahr in der Nähe von Nürnberg wohnt und eine Rotary Stipendiatin ist, spielte sich in die Herzen des Publikums. Das Wunderkind (Abiturnote 1) brauchte keine Noten, sie spielte nicht, sie lebte ihre Musik und erhielt die verdienten Ovationen des Publikums. Sie war der Abschluss eines mit viel Fingerspitzengefühl ausgewählten Kulturprogramms, dargeboten von der Ballettschule „On point“ und der „Theaterwerkstatt Haßfurt“.

Klar, dass an so einem Geburtstag es auch einen Streifzug durch die Geschichte der Rotarier gab, der in einer Festrede ebenfalls von einer Frau geboten wurde. Kerstin Jeska-Zimmermann ist derzeit regierende Governor der 55 Clubs aus Franken und Thüringen. Beeindruckend schilderte die Rotary-Frau ihre Erlebnisse aus Sri Lanka, zwei Tage nach der Flut-Katastrophe. Und sie hatte Besuch mitgebracht. Das Ehepaar Nirmali und Nissanka Samaratiunga, beide Präsidenten zweier unterschiedlicher Rotary-Clubs in Colombo, gaben der Veranstaltung das internationale Rotary-Bild. Rotary wäre nicht Rotary, wenn aus einer derartigen Veranstaltung nicht etwas Gutes abgeleitet würde. Der Reinerlös des Abends (die Mitglieder und Gäste hatten für das hervorragende viergängige „Centennial Dinner“ ihren Obolus errichtet) ging an das Babyhospital in Galle, Sri Lanka, das durch die Flutwelle völlig zerstört wurde.

(Bericht und Bilder von German Schneider)